Verständliche Patientenkommunikation durch generative KI.
Projektdurchführung
Lisa Becker, Jana Berentzen, Simon Jännert, Ricco Thum, Jonas Wiegandt, INNOT-Projekt, RWU Hochschule Ravensburg-Weingarten
Einführung
Patient*innen im Krankenhaus stehen häufig vor der Herausforderung, medizinische Befunde und Fachsprache zu verstehen. Gleichzeitig entstehen Rückfragen oft zeitversetzt nach Arztgesprächen, wenn kein Personal verfügbar ist.
Digitale Lösungen bieten bisher meist nur Zugriff auf Informationen, jedoch keine verständliche Erklärung oder Interaktion.
Zielsetzung
Ziel ist die Entwicklung eines KI-gestützten Patientenbegleiters, der:
- medizinische Informationen verständlich erklärt
- Rückfragen jederzeit ermöglicht
- Patient*innen Orientierung während des Klinikaufenthalts bietet
- gleichzeitig das Klinikpersonal entlastet
Methodik
Forschungsansatz: Design-Science zur Entwicklung eines KI-basierten Artefakts
System: Mobile Anwendung mit Chatfunktion zur Erklärung medizinischer Befunde
Technische Umsetzung
- Frontend: React Native App
- Backend: Workflow-Orchestrierung mit n8n
- KI: OpenAI API
- Daten: Supabase (inkl. Vektor-Datenbank)
- Retrieval-Augmented Generation (RAG) für kontextbezogene Antworten
Funktionalitäten
- Anzeige medizinischer Befunde
- Chat für Rückfragen
- „Einfach erklärt“ für Fachbegriffe
- Speicherung von Konversationen
Evaluation
- szenariobasiertes App-Testing
- standardisierte Online-Befragung (Likert-Skalen + Freitext)
- Stichprobe: n = 19
- zusätzlicher qualitativer Robustheitstest
- einfache Fragen
- befundbezogene Fragen
- kritische / sicherheitsrelevante Fragen
Ergebnisse

Nutzerbewertung
- hohe Zustimmung bei Verständlichkeit und Nutzen (~4/5)
- Chatfunktion von allen Teilnehmenden genutzt
- App wird als hilfreich im Krankenhauskontext wahrgenommen
Usability & Akzeptanz
- intuitive Bedienung und gute Navigation
- Informationen schnell auffindbar
- Weiterempfehlungsbereitschaft hoch
- tatsächliche Nutzungsabsicht etwas variabler
Zentrale Erkenntnis (TAM-Modell)
- wahrgenommener Nutzen = stärkster Einfluss auf Nutzung
- starke Korrelation zwischen Nutzen und Nutzungsabsicht
- Usability und Vertrauen relevant, aber weniger entscheidend
Qualitative Insights
- besonders positiv:
- jederzeit Fragen stellen können
- verständliche Erklärungen
- Kritik:
- teilweise zu oberflächliche Antworten
- Verbesserung bei Navigation und Befunddarstellung
- Datenschutz
Robustheitstest
- überwiegend sichere und korrekte Antworten
- keine Diagnosen oder Therapieempfehlungen
- klare Weiterleitung an medizinisches Personal
Optimierungspotenziale
- bessere Struktur längerer Antworten
- konsequentere Vereinfachung von Fachbegriffen
- stärkere empathische Kommunikation
- Reduktion standardisierter Formulierungen
Zusammenfassung
Medimate verbessert die Informationsverarbeitung und Orientierung von Patient*innen durch:
- verständliche Erklärung medizinischer Inhalte
- dialogbasierte Interaktion
- jederzeitige Verfügbarkeit
- Die Lösung zeigt Potenzial zur Verbesserung der Patient Experience, insbesondere in Phasen ohne direkten Kontakt zum medizinischen Personal.